PLÄNE STATT ZIELE
- 10. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 13. Apr.

Getreu dem Motto «Neues Jahr, neuer Mensch» erfinden wir uns zum Jahreswechsel neu. Motiviert durchforsten wir das Netz nach innovativen Fitnesstrends und Diätideen. Bekanntlich ebbt die anfängliche Euphorie rasch ab und wir stellen fest: Neues Jahr, alter Mensch. Augenzwinkernd bezeichnen Motivationspsychologen die Neujahrsvorsätze deshalb als To-Do-Liste für die erste Januarwoche. Eine amerikanische Studie bestätigt diesen Eindruck. Demnach begraben 77% der Teilnehmenden ihre Neujahrsvorsätze bereits nach einer Woche.
Wie geben wir Gegensteuer? Das Ummünzen der Vorsätze in konkrete, smart formulierte Ziele macht sicher Sinn. Meistens jedoch scheitern wir nicht an den fehlenden Zielen, sondern an deren fehlenden Einbettung. Dessen war sich bereits der Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry bewusst. Er hält fest: Ein Ziel ohne Plan ist nur ein Wunsch. Der Psychologieprofessor Peter Gollwitzer schlägt in die gleiche Kerbe. In seinen Forschungsarbeiten zeigt er auf, dass der Einfluss von Zielen auf das Verhalten überraschend klein ist. Gollwitzer spricht von einer Absichts-Verhaltens-Kluft. Um diese zu überbrücken, braucht es sogenannte Implementierungsintentionen. Diese entsprechen konkreten Handlungsplänen. In einer englischen Studie wurden Versuchsteilnehmende gebeten, solche Pläne zu formulieren. Dabei mussten sie festhalten, wann und wo sie im Laufe der nächsten Woche trainieren wollten. Im Anschluss wurden die Teilnehmenden zu ihrer Trainingshäufigkeit befragt. 91% gaben an, mindestens einmal pro Woche trainiert zu haben. In der Vergleichsgruppe, welche keine Handlungspläne geschmiedet hatte, lag die Trainingshäufigkeit bei 35%.
Möchten Sie ein Verhalten nachhaltig verankern, schmieden Sie einen Plan. Seien Sie dabei so konkret wie möglich, z.B.: «Nächsten Donnerstag nehme ich den 17:23 Zug, um ins Training zu fahren.» Natürlich wird das Leben immer wieder dazwischenfunken und Ihre Pläne durchkreuzen. Und statt um 17:23 im Zug Platz zu nehmen, sitzen Sie immer noch im Seminarraum und sehen ihrem Kollegen Müller zu, wie er Powerpointfolie 48 von 90 seziert. Für solche Fälle empfiehlt uns Gollwitzer die Wenn-Dann-Formel. Zum Beispiel: «Wenn es mir am Donnerstagabend nicht ins Training reicht, dann gehe ich am Freitag während der Mittagspause joggen.» So etablieren Sie eine Art Frühwarnsystem. Sie schmieden präventiv einen Notfallplan und werden so von der Situation nicht überrumpelt.
Sie können Ihr Frühwarnsystem zusätzlich aufrüsten, indem sie weitere, spezifische Wenn-Dann-Regeln formulieren. Im vorliegenden Fall scheint Kollege Müller einen Gefahrenherd darzustellen. Sein berüchtigter Hang zu ausufernden Sitzungen müsste Ihr Frühwarnsystem rot blinken lassen. Formulieren Sie eine ergänzende Wenn-Dann-Regel: Wenn Müller eine Sitzung von 16:00-17:00 einberuft, dann kommuniziere ich ihm zum Sitzungsbeginn, dass ich pünktlich um 17:00 weg muss.
Prüfen Sie zudem, ob Sie Müller mit übergreifenden Regeln bändigen können. Hinterfragen Sie die firmeneigene Sitzungskultur und eifern Sie dem Unternehmen tripping.com nach. Dort gilt die Regel: Wird eine Sitzung überzogen, zahlt der Sitzungsleiter 5 Dollar in die Gemeinschaftskasse. Seit Einführung dieser Regel – so munkelt man – wurde kaum mehr eine Sitzung überzogen!



Kommentare